Interview mit Dr. Rainer Beyer, Hauptgeschäftsführer der TGE

Interview mit: Dr. Rainer Beyer, Hauptgeschäftsführer der TGE

Dr. Rainer Beyer, Hauptgeschäftsführer der TGE

Redaktion (Red.): Vor 10 Jahren haben Sie Ihre damaligen Krankenhäuser zusammengeschlossen. War die Fusion aus heutiger Sicht betrachtet, ein Erfolg?

Hr. Dr. Beyer: Die Fusion ist aus meiner Sicht eine Erfolgsgeschichte, die seinesgleichen sucht. Erst sie hat es ermöglicht, die Notaufnahme und die Intensivstation in der jetzigen Form zu etablieren, in den Fachdisziplinen die Spezialisierung weiter voran zu treiben und in dem jetzigen Bauabschnitt die Akutversorgung künftig an einem Standort zu bündeln. Das Krankenhaus hat im Vergleich zum Jahr 2011 ein Leistungswachstum von 61 Prozent innerhalb von 10 Jahren erzielt. Das ist alles andere als selbstverständlich. Der gute Ruf, den das Krankenhaus bei der Gießener Bevölkerung genießt, ist der beste Beweis dafür, dass wir mit der Fusion und der anschließenden Weiterentwicklung unseres gemeinsamen Krankenhauses auf dem richtigen Weg sind.

Das alles war nur möglich, weil sich auch die Gesellschafter vom ehemaligen eigenen Krankenhaus gedanklich ein Stück loseisen konnten und stattdessen das gemeinsame neue Krankenhaus in den Blick genommen haben. Das ist in den letzten 10 Jahren mit großem Vertrauen und gegenseitigem Respekt der Träger gelungen. Auch das ist Teil dieser Erfolgsgeschichte.

 

Red.: Was hat die damaligen Träger damals dazu bewogen, ihre wirtschaftlich gesunden, selbstständigen Krankenhäuser zusammen zu führen?

Hr. Dr. Beyer: Man soll dann handeln, wenn man Handlungsmöglichkeiten hat und nicht erst, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht. Die Träger haben frühzeitig erkannt, dass es kleine Krankenhäuser mit weniger als 200 Betten in Deutschland im städtischen Bereich in der Zukunft schwerer haben werden, stabil zu arbeiten. Die regulatorische Entwicklung wurde mindestens fünf Jahre vorhergesehen: Mindestmengen, Personaluntergrenzen, die Einführung von Notfallstufen für Krankenhäuser – all das hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren umgesetzt, und unser Krankenhaus hatte durch die mit der Fusion geschaffene Größenordnung immer eine Antwort parat.

Auch der Ausbau der Chirurgie mit den Spezialisierungen wäre ohne Fusion wahrscheinlich nicht möglich gewesen oder zumindest erschwert.

 

Red.: Welche Herausforderungen hat die Fusion mit sich gebracht?

Hr. Dr. Beyer: Auf Gesellschafterebene war es das Gewinnen von Vertrauen in die handelnden Personen und in die Strategie eines gemeinsamen Krankenhauses.
Auf der operativen Ebene hat sich die Geschäftsführung dafür eingesetzt, zwei unterschiedliche Betriebe zu harmonisieren, sowohl was die Kultur anbelangt als auch die Strukturen und Prozesse, die ja auch mit Veränderungen für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tun haben. In der Retrospektive ist das gut gelungen.

 

Red.: Welche Bedeutung hatte der Zusammenschluss für das Personal?

Hr. Dr. Beyer: Zunächst führte die Fusion sicherlich auch zu Unsicherheit in der Belegschaft. Fusionen sollen ja regelmäßig auch zu Synergien führen und damit werden auch Arbeitsplätze in Frage gestellt. Aber rückblickend haben wir 2022 über doppelt so viel Personal als vor der Fusion 2011. In einem größeren Krankenhaus können wir uns eher spezialisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten als in zwei kleineren Häusern. Auch organisatorisch ist es angesichts des hohen Fachkräftemangels etwas einfacher, die notwendigen Personalstellen zu besetzen.

Durch die gute Weiterentwicklung des Krankenhauses sind wir darüber hinaus auf Dauer ein attraktiver und stabiler Arbeitgeber für die verschiedenen Berufsgruppen.

 

Red.: Was hebt das St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung hervor, was ist das Besondere an diesem Krankenhaus?

Hr. Dr. Beyer: Stabile Mitarbeiterschaft mit hoher Einsatzbereitschaft und Identifikation, es geht persönlich zu, und wir haben hoch attraktive medizinische Abteilungen, die in ihren Fachbereichen alles abdecken, was nicht der Apparatemedizin einer Uniklinik bedarf. Darüber hinaus eine Führungsmannschaft, die entsprechend der Anforderungen an das Gesundheitswesen ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft und Agilität aufzuweisen hat. Die Mischung aus diesen Punkten macht es aus.

 

Red.: Welche Zukunft hat das St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung?

Hr. Dr. Beyer: Mit der Fertigstellung des Teilneubaus verfügen wir über ein Krankenhaus, in dem sich die stationären medizinischen und pflegerischen Behandlungsprozesse für die Zukunft noch viel besser umsetzen lassen. Strategisch wollen wir weiter den Weg verfolgen, Patienten mit schwereren Erkrankungen zu behandeln, um bei zunehmender Ambulantisierung als stationäres Krankenhaus bestehen zu können. Das erfordert Entwicklungen in den medizinischen Fachabteilungen, in der Pflege, aber ebenso in dem Bereich der Intensiv- und Notfallmedizin. Auch hier sind wir strategisch schon sehr weit.
Wir wollen unseren Vorsprung gegenüber anderen Häusern ähnlicher Größe erhalten und gleichzeitig der Universitätsklinik und damit auch der Stadt gegenüber ein verlässlicher und enger Partner bleiben.

Die Voraussetzungen aus Sicht der Gesellschafter dafür sind gut. Für uns lohnt es sich, in unser gemeinsames Krankenhaus weiter für die Zukunft zu investieren, in Menschen, in Digitalisierung und in Gebäude.

 

Weitere Informationen zu unserem Jubiläum finden Sie hier.

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