Besonderheiten und Möglichkeiten im Pflegeberuf

Pflegeportrait mit Isabel Hanis-Heyer, Stationsleitung der interdisziplinären Intensivstation und Praxiskoordinatorin

Es gibt ganz unterschiedliche Motive, sich für einen Pflegeberuf zu entscheiden. Ein Merkmal haben wohl alle gemeinsam - die Freude für Menschen und mit Menschen zu arbeiten.
In der Reihe „Pflegeportrait“ möchten wir den Pflegeberuf näher beleuchten. Was macht diesen Beruf aus, welche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten bietet er?

Dazu haben wir Isabel Hanis-Heyer, Stationsleitung der interdisziplinären Intensivstation und Praxiskoordinatorin im St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung, interviewt.

Isabel Hanis-Heyer
Isabel Hanis-Heyer
Stationsleitung
• Interdisziplinäre Intensivstation Vertretung: Andrej Pavlenko
Pflegedienst
Haus 1 Wilhelmstraße 7 35392 Gießen Tel.: 0641 7002-0 Fax: 0641 7002-208 Haus 2 Wilhelmstr. 14 35392 Gießen Tel.: 0641 7952-0 Fax: 0641 7952-199

Der Start in den Pflegeberuf

Nach dem Abitur wusste ich noch gar nicht, wo mich mein Weg beruflich hinführt. Klar war aber, dass ich gerne mit Menschen arbeiten möchte und nach einem abwechslungsreichen Arbeitsalltag suchte. Daher wählte ich ein berufsvorbereitendes Jahr (BSJ) bei der Lebenshilfe in Polheim-Watzenborn.

Ich arbeitete 13 Monate in einer geschlossenen Einrichtung für geistig und körperlich behinderte Menschen und lernte einen großen Teil des Pflegeberufs kennen. Ich spürte in dieser Zeit immer deutlicher, dass ich sehr gut mit Menschen umgehen kann und dass es mein Leben bereichert, anderen Menschen Hilfestellungen geben zu können. Also habe ich mich für die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Christlichen Bildungszentrum für Gesundheitsberufe (CBG) entschieden, die ich 2010 abschloss.

2017 ging ich ins St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung, um unsere jetzige Intensivstation aufzubauen und zu etablieren. Zunächst als stellv. Stationsleitung, ein Jahr später dann als Stationsleitung.

Warum Intensivstation

„Seit meinem ersten Einsatz in der Ausbildung schlägt mein Herz besonders für die Intensivpflege. Das liegt überwiegend daran, dass man wenige Patienten ganzheitlich versorgt.
Bei beatmeten Patienten müssen beispielsweise alle „Aktivitäten des täglichen Lebens“ (ATLs) übernommen werden, wie Essen, Trinken, Ausscheiden, Schlafen, Körperhygiene etc. Auch werden darüber hinaus viele diagnostische und therapeutische Eingriffe auf Intensivstation durchgeführt. Die Arbeit ist von Tag zu Tag unterschiedlich, ich kann vieles selbst entscheiden und trage für meine Patienten die gesamte Prozessverantwortung. Die Beziehung zwischen den Patienten und Pflege ist enger – eben intensiver.

Auch steht die Begleitung der Angehörigen auf der Intensivstation im Fokus – so habe ich 2018 zur Zertifizierung unserer „angehörigenfreundlichen Intensivstation“ beigetragen.“

Pflege bedeutet Teamarbeit

Die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegekräften ist auf Intensivstation ebenso näher zusammengerückt. Auch das hat mir immer sehr gefallen: Ein Arbeiten Hand in Hand – miteinander, und füreinander da.

Pflege bedeutet immer Teamarbeit und diese bereitet mir ebenso große Freude. Wir müssen uns immer aufeinander verlassen können. Eine Hand hilft der anderen und ohne zweite geht es fast nie. Allein der Rat einer erfahreneren Kollegin kann Gold wert sein!“

Was ist das Besondere am Pflegeberuf?

Besonders ist in dem Beruf das Gefühl der Sinnhaftigkeit, welches Pflege absolut vermittelt.

„Die Nähe zum Menschen in Form der Nächstenliebe. Bereits mein Konfirmationsspruch lautete: „All eure Dinge lasset in Liebe geschehen.“ (1. Korinther 16,14) Wenn alle Menschen in der Lage wären, all ihr Handeln nur noch nach Liebe auszurichten, dann wäre die Welt wohl eine deutlich bessere…“

Welche Eigenschaften benötigt man im Pflegeberuf?

„Ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein ist wichtig. Diese Arbeit macht man nicht einfach nur, um Geld zu verdienen. Wir müssen unserer Arbeit stets gewissenhaft, konzentriert und strukturiert nachgehen. Ein solches Arbeiten lag mir schon immer. Ich liebe klare Strukturen und Aufgabenverteilungen.

Weiterhin bedarf es natürlich der Empathie und der Nächstenliebe.

Ich denke im Leitungsbereich sind Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit zwingend wichtig, um Dinge zu verändern, zu optimieren oder gar neu zu generieren.

Warum ist der Pflegeberuf für den Nachwuchs attraktiv?

„Es gibt kaum einen abwechslungsreicheren Beruf, in dem man so viel erleben und bewegen kann, wie in der Pflege. Wenn man nach Selbstverwirklichung strebt, kann man hier in jeglicher Richtung Erfolg haben.“

Was kann man noch verbessern, um ihn attraktiver zu machen?

„Wie immer: die Rahmenbedingungen. Auf der Intensivstation sind diese allein durch die Pflegepersonaluntergrenzen bedeutend besser geworden. Diese geben vor, wie viele Pflegekräfte pro Patient auf Station sein sollten.

Weiterhin wünsche ich mir eine bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegekräften. Meiner Meinung nach sind an manchen Stellen die Barrieren hier noch viel zu hoch. Schlüssel hierbei ist sicherlich die Kommunikation. Hierarchiedenken ist nicht hilfreich. Wir sind alle Menschen mit ein und demselben Ziel: Wir wollen unseren Patienten helfen. Also sollten wir genau das auch unter den verschiedenen Berufsgruppen tun.“

Welche Möglichkeiten hat man im Pflegeberuf? Wie kann man sich hier weiterentwickeln?

Ich habe 2012-2013 die Weiterbildung für Intensivpflege und Anästhesieabsolviert. Auch wenn diese Ausbildung freiwillig ist, hat sie mich angesprochen, um mich fachlich weiterzuentwickeln und sicherer in der Patientenversorgung zu werden.

Mir gefällt die Vernetzung zwischen Krankenhaus und unserer Krankenpflegeschule CBG gut. Seit 2010 bin ich dort Referentin im Bereich Intensivpflege. Zudem habe ich die Ausbildung zur Praxisanleitung absolviert – diese ergänzt die theoretische Ausbildung in Schulen für Pflegeschüler und ist wesentlicher Teil der Ausbildung.

Seit Anfang 2022 bin ich außerdem als Praxisanleitungs-Koordinatorin in unserem Haus dafür zuständig, die praktische Ausbildung unserer Pflegeschüler im Haus sicherzustellen. Diese Weiterentwicklung habe ich gewählt, weil ich schon immer Spaß am Umgang mit jungen Menschen hatte und gerne mithelfe, ihre Ausbildung in der Pflege zu gestalten. Besonders wichtig ist es mir, Entwicklungspotentiale zu erkennen und Prozesse entsprechend anzupassen, damit die Ausbildungsqualität so hoch wie möglich ist.“

Das klingt nach vielen Möglichkeiten, die du in der Pflege ergriffen hast. Wie schaffst du das zeitlich?

Als Stationsleitung ist man zum Teil „freigestellt“, um den administrativen Aufwand bewältigen zu können. Auch die Aufgabe als Praxisanleitungs-Koordinatorin nimmt viel Zeit in Anspruch, daher bin ich auch hier freigestellt.

Dennoch ist mir weiterhin das Arbeiten „am Bett“ und „am Patienten“ wichtig, was ich an bestimmten Tagen im Monat mache.

Was ist das Besondere am St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung?

Der Mensch steht noch im Mittelpunkt. Es geht nicht um Gewinn, klar um Wirtschaftlichkeit-wir sind ja immer noch ein Wirtschaftsunternehmen. Aber in erster Linie geht es um den Dienst am Menschen.

Wie verschaffst du dir nach Feierabend einen Ausgleich? Hast du bestimmte Hobbys?

Mit meinen Hunden raus in die Natur. Ob nur spazieren gehen, joggen oder lediglich etwas Gartenarbeit. All diese Dinge spenden mir Ruhe und Erholung.

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